Nach dem Finale mit Vater auf ein Bier - Tobias Schellenberg glücklich und Fünfter / Ab nächste Woche Arbeit statt Urlaub
    
Von Uwe Wicher, Barcelona

Erst als sein Leipziger Trainer Uwe Fischer ihn umarmte, hellte sich das Gesicht von Tobias Schellenberg etwas auf. „Schönen Dank für die WM“, sagte der Erfolgscoach gestern Abend im Municipa-Sprungstadion von Barcelona. Sein Schützling hatte soeben das Finale im Kunstspringen vom Einmeter-Brett als Fünfter beendet. Von der Bronzemedaille, die Bundestrainer Lutz Buschkow nach dem Halbfinale für möglich gehalten hatte, war der 24-Jährige rund 50 Punkte entfernt.

„Ich bin wirklich glücklich, dass ich das Finale erreicht habe. Wenn man mir das jetzt nicht ansieht, dann liegt das daran, dass ich nun total fertig bin“, meinte Schellenberg. Trotzdem schien er mit seinen Gedanken noch im Halbfinale zu sein, in dem er sich als Dritter für den Endkampf der sechs besten Springer qualifizierte. In der Vorschlussrunde hatte er sich nur eine „Krampe“, wie er einen missglückten Sprung bezeichnet, geleistet, die restlichen fünf Versuche aber glänzend präsentiert. Im Finale habe er alle Sprünge „drüber gehauen“, also beim Eintauchen überzogen, lautete das erste Fazit. Das ist etwas übertrieben, denn nur die letzten beiden Durchgänge gingen aus Sicht des Leipzigers daneben. Doch da waren die Medaillenplätze, die schließlich die Chinesen Xiang Xu und Kenen Wang sowie überraschend der Finne Joona Puhakka belegten, schon in weite Ferne gerückt.

„Glückwunsch, du bist der Fünftbeste in der Welt. Das ist doch was“, sagte der Bundestrainer. „Es war mehr drin“, entgegnete der 1,76 m große Modellathlet mit dem beispielhaften Waschbrettbauch. Dann suchte er seinen Vater, der nach Barcelona gekommen war, um seinen Sohn im WM-Examen zu erleben. „Ich freue mich sehr, dass er da ist. Er ist stolz auf mich, und wir werden heute Abend ein Bier trinken. Wirklich nur eins“, meinte Schellenberg lächelnd.

Für ihn ist mit Barcelona das Springen vom Einmeter-Brett vorerst kein Thema mehr: „Das ist nicht olympisch, deshalb konzentriere ich mich ab jetzt nur noch auf das Einzel- und Synchronspringen vom Dreimeter-Brett.“ So richtig begeistert klingt es ohnehin nicht, wenn der junge Mann vom „Einer“ spricht: „Das ist am anstrengendsten, weil die schnellen Drehungen sehr viel Kraft erfordern. Einmeter fällt mit ab beim Training von Dreimeter.“ Von dieser olympischen Höhe sprang Tobias Schellenberg mit dem Hallenser Andreas Wels im Synchronwettbewerb zu WM-Bronze – und schied im Einzel zwei Tage später schon im Vorkampf sang- und klanglos aus. Letzteres soll in Athen im nächsten Jahr, wenn es um olympisches Edelmetall geht, nicht wieder passieren. „Ich habe hier bei dieser WM viel gelernt“, sagte Schellenberg.

Lernen, aber in einem anderen Lebensbereich, rückt ab nächste Woche für den Sozialpädagogik-Studenten wieder in den Mittelpunkt. Im Rahmen des Studiums arbeitet er in einem Krankenhaus in einer Station für krebskranke Kinder. Damit ist Tobias Schellenberg eine Ausnahme. Die meisten Sportler gehen nach einer anstrengenden Saison wie dieser mit einer Weltmeisterschaft als stressigem Höhepunkt in den Urlaub. „Die Kinder freuen sich, dass ich da bin“, weiß Schellenberg. Vor vier Monaten stellte er für die Kinder eine Springer-Gala in Leipzig auf die Beine, durch die 11 000 Euro zusammen kamen.



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