| Neid gibt es
doch überall" Franziska van Almsick hat nur ein Ziel: Sydney 2000 |
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Franziska van Almsick
wurde am 5. April 1978 in Berlin geboren. 1992 gelang ihr der internationale Durchbruch
mit dem Weltcup-Finalsieg über 100 Meter Freistil in Palma de Mallorca. Im gleichen Jahr
gewann van Almsick mit 14 Jahren bei den Olympischen Spielen in Barcelona jeweils zwei
Silber- und Bronzemedaillen, wurde in Deutschland zum Star und durch Werbeverträge zur
Millionärin. In Atlanta 1996 holte die 180 Zentimeter große Schwimmerin zweimal Silber
und einmal Bronze. Über die 200 Meter Freistil hält sie seit der WM 1994 in Rom den
Weltrekord in 1:56,78 Minuten. Ihr Lebenspartner ist seit 1993 Steffen Zesner. Von Peter Ehrenberg Leipzig Über 100 Meter Freistil holte Franziska van Almsick Silber hinter ihrer Rivalin Sandra Völker, gestern landete die 21 Jahre alte Schwimmerin bei den Deutschen Meisterschaften in Leipzig über 50 Meter Schmetterling nur auf dem fünften Platz. Es läuft noch nicht optimal für die Berlinerin. DIE WELT: Wie wichtig ist diese Deutsche Meisterschaft für Sie? Franziska van Almsick: Sehr wichtig. Ich muß wenigstens einmal im Jahr sehen, wo ich stehe im Vergleich zur nationalen Konkurrenz. Das ist Motivation und Ansporn. Aber gut, hypermotiviert war ich vielleicht nicht in Leipzig. DIE WELT: Warum? van Almsick: Weil ich nicht hundertprozentig vorbereitet war. Nicht nur wegen meiner Krankheit, auch für den Sprint hatte ich nicht genügend Zeit, um zu trainieren. Und für diese Disziplinen gibt es mittlerweile Spezialisten. Ich bin keine von ihnen. Seit Jahren schon nicht mehr. DIE WELT: Sie bevorzugen die 200 Meter Freistil. van Almsick: Es ist meine Paradestrecke, ja. Auf ihr liegt meine ganze Konzentration. Für Sydney 2000, für eine Medaille. DIE WELT: Wie oft trainieren Sie? van Almsick: Sechsmal die Woche, täglich fünf Stunden. Nur sonntags nie, da nehme ich mir frei. DIE WELT: Haben Sie mit diesem Zeitaufwand Probleme? van Almsick: Das Training fällt mir von Tag zu Tag schwerer. Ich liebe es, mal in den Urlaub zu fahren, etwas mit Freunden zu unternehmen oder spontan zum Essen zu gehen. Oder hier Leipzig, da herrscht gerade das schönste Wetter, es ist das tollste Wochenende, das wir seit langem in Deutschland hatten. Wissen Sie, wie gerne ich einen Picknickkorb gepackt hätte und mit meinem Freund ins Grüne gefahren wäre? Einfach so? DIE WELT: Haben Sie schon mal an einen Rücktritt gedacht? van Almsick: Sehr oft, zum Beispiel, wenn ich heulend am Beckenrand stand. Dann sagst du dir: So, das war's, Schluß, aus und vorbei, das tust du dir alles nicht mehr an. Schließlich habe ich doch immer weitergemacht. Ich glaube, solche Krisen macht jeder mal durch. DIE WELT: Gibt es einen konkreten Termin, an dem Sie aufhören wollen? van Almsick: Nein. Vielleicht mache ich noch zwei Jahre weiter, vielleicht vier. Ich weiß es nicht. Ich wäre dann 23 oder 25 Jahre alt, mein Leben liegt noch vor mir. Das ist eine unglaubliche Perspektive. DIE WELT: Lange zogen Sie im deutschen Schwimmsport alle Aufmerksamkeit auf sich. Mit der Bewunderung und den Werbeeinnahmen kam auch der Neid. Wie ist Ihr Verhältnis zu den Rivalinnen heute? van Almsick: Normal. Neid gibt es doch überall in der Gesellschaft, im Beruf auf die Erfolgreichen besonders. Aber es hat sich schon etwas verändert. DIE WELT: Was denn? van Almsick: Die anderen haben mittlerweile festgestellt: He, die Franzi, die ist ja auch nur ein Mensch. Auf der anderen Seite mußte ich mir erst wieder den Respekt erarbeiten, den ich früher besaß. Meine Leistungen waren zuletzt nicht so berauschend. Ich war verletzt, es gab 1997 diesen Motorradunfall. Selbst als ich 1998 Meisterin über 100 und 200 Meter Freistil sowie über 100 Meter Schmetterling wurde, hieß es, ich sei das nur geworden, weil so viele gefehlt hätten. DIE WELT: Wie sehen Ihre weiteren Planungen aus? van Almsick: Im Juli folgt die Europameisterschaft in Istanbul. Danach werde ich nur noch unterwegs sein. Und zwar in Trainingslagern. Da gibt es lediglich drei Dinge: Essen, Schlafen, Schwimmen. Das ist für mich wichtig für eine optimale Vorbereitung, denn sonst werde ich wieder nur durch die Familie oder Freunde abgelenkt. Aber ich habe schließlich, wie gesagt, ein Ziel: Sydney 2000. © DIE WELT, 29. 05. 1999 Sächsischer Schwimm-Verband e.V., Marschnerstraße 29, 04109 Leipzig |