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Schwimmen: Van Almsick völlig von der Rolle
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vanalmsick.jpg (7631 Byte)Leipzig (dpa) - Schwimm-Star Franziska van Almsick ist fünfzehn Monate vor Olympia 2000 in Sydney und acht Wochen vor den Europameisterschaften in Istanbul völlig von der Rolle.

Die Berlinerin hat bei den Deutschen Meisterschaften in Leipzig am Samstag wieder einmal im Vorlauf zu hoch gepokert - und eine bittere Niederlage kassiert. Die 21 Jahre alte Weltrekordhalterin schwamm ausgerechnet über ihre Paradestrecke 200 m Freistil als Neunte am Endlauf vorbei und verpaßte damit auch das EM-Ticket. Die gesamte Karriereplanung ist mit einem Schlag ins Wanken geraten.

Dauerkonkurrentin Sandra Völker (25) schwamm im 50-m-Freistil- Sprint dagegen souverän zum dritten Titel nach ihren Siegen über 100 m Freistil und 50 m Rücken. In 25,68 Sekunden verwies die Hamburgerin Titelverteidigerin Simone Osygus (Wuppertal/Uerdingen/25,97) auf den zweiten Platz - und sicherte sich EM-Ticket Nummer drei. «Es war ein mittelmäßiges Rennen. Ich kann lange nicht zufrieden sein mit dem, was ich über 50 m Freistil leiste», übte Sandra Völker an Land trotz Sieg Selbstkritik. Und: «Ich bin schon fit, aber nicht topfit.»

Völlig frustriert stieg Franziska van Almsick nach unerklärlich schwachen 2:04,75 Minuten aus dem Wasser. «Was soll ich denn jetzt sagen, was wollen Sie denn von mir hören.» Mehr konnte sie nicht sagen. Sie konnte es selbst nicht begreifen. Ihr Weltrekord liegt bei 1:56,78 Minuten. Die Berlinerin flüchtete förmlich ins Hotel. Sie hatte das Rennen im Kopf verloren. Nach 150 m war sie noch auf dem richtigen Weg gewesen - und hatte zum Entsetzen von Trainer und Manegement einen Gang zurückgeschaltet. Die EM-Tickets holten sich Siegerin Kerstin Kielgaß (Berlin/2:01,38 Min.) und Silvia Szalai (Frankfurt/2:01,58).

«Von allen Wettbewerben ist es im Unvorstellbarsten passiert - und das nach den Erfahrungen der letzten Jahre», sagte Manager Werner Köster nach dem Reinfall seines Schützlings kopfschüttelnd. 1994 hatte die damals 16jährige Franziska van Almsick bei der WM in Rom ebenfalls das Finale verpaßt. Mannschaftskollegin Dagmar Hase (Magdeburg) gab ihren Startplatz damals ab und Franziska van Almsick gewann in Weltrekordzeit den Weltmeistertitel. Nur ein Jahr später bei der EM in Wien passierte ihr das gleiche Malheur.

«Das Risiko, das man im Vorlauf eingeht, spart ja auch keine Kraft», sagte Köster, der mangelnde Wettkampfpraxis als einen möglichen Grund für die Fehlleistung vermutete. In diesem Jahr hatte sich die Berlinerin bisher für ein intensives Trainingsprogramm entschieden und war nur im Februar beim Kurzbahn-Meeting in Gelsenkirchen sowie Anfang April bei einem unbedeutenden Schwimmfest in Hamburg auf den Startblock geklettert.

Scharfe Kritik übte Frauen-Bundestrainer Achim Jedamsky an Franziska van Almsick. «Das ist eine psychologische Geschichte, die da bei ihr festsitzt. Das ist in ihr selbst begründet, das hat sie ganz alleine zu verantworten», sagte Jedamsky. «Man kann doch in seinem Lauf keine drei Leute vor sich lassen, wenn man weiß, daß noch ein Lauf kommt», schimpfte der Frauen-Coach. Zudem bemängelte Jedamsky die Wettkampfplanung der Berlinerin.

Die EM-Tickets über 200 m Lagen der Frauen sicherten sich die Deutsche Meisterin Annika Mehlhorn (Baunatal/2:16,28 Minuten) mit ihrem zweiten Titel und Sabine Klenz-Herbst (Leutzsch/2:18,10). Die Heidelbergerin Silva Pulfrich verteidigte ihren Titel über 100 m Brust in 1:10,11 Minuten erfolgreich.

Über 100 m Rücken der Männer qualifizierten sich Sieger Steffen Driesen (Wuppertal/Uerdingen/55,96 Sek.) und Stev Theloke (Chemnitz/56,05) für Istanbul. An den EM-Tickets vorbei schwammen die deutschen Männer über 100 m Freistil. Deutscher Meister wurde der Potsdamer Aimo Heilmann (50,73 Sek.), der sich als Sieger über 200 m aber bereits für die EM qualifiziert hatte. Seinen zweiten Titel gewann auch der Essener Christian Keller, der in 2:02,82 Minuten über 200 m Lagen zusammen mit dem Leipziger Jirka Letzin die EM-Norm erfüllte. Über 1 500 m Freistil setzte sich Europarekordhalter Jörg Hoffmann aus Potsdam durch, verpaßte in 15:33,04 Minuten aber die EM- Richtzeit.

29.05.1999 16:55 MEZ

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