| Franzis Vorreiter-Rolle erleichtert die Vermarktung | ||
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Leipzig.
Am Beckenrand der Uni-Schwimmhalle stehen die Werbebanden dicht bei dicht, und auch die
Balustrade der Zuschauer-Tribüne ist mit Firmenlogos vollgepflastert. Mehr als die
Hälfte des Meisterschafts-Etats von 250 000 Mark haben die Organisatoren bei Sponsoren
aus Stadt und Region aufgetrieben. Auch die Spitzenathleten können inzwischen besser mit
und von ihrem Sport leben. Beispielsweise Stev Theloke, auf dessen Trikot ein Chemnitzer
Autohaus und andere Unternehmen werben. Oder Christian Keller aus Essen, der im
"private banking" des größten deutschen Kreditinstitutes arbeitet, wenn er
nicht für Training und Wettkampf freigestellt ist. "Es ist für uns leichter
geworden, Sponsoren zu finden", sagt Keller, "das verdanken wir auch Franziska
van Almsick und Sandra Völker. Wir profitieren von ihrer Vorreiter-Rolle. Durch sie hat
das Schwimmen an Popularität gewonnen." Der anfängliche Neid der Schwimmer auf van
Almsick, die seit 1992 Werbeverträge über 17 Millionen Mark abgeschlossen hat, ist der
Einsicht gewichen, daß Franzi ein Glücksfall für ihren Sport ist. "Wo sie
auftaucht, sind meist auch 25 Journalisten, das nutzt am Ende allen", sagt ihr
Manager Werner Köster, der den Vermarktungswert eines Athleten nach drei Kriterien
beurteilt: Bedeutung der Sportart, Leistung und Ausstrahlung. "Franzi als
Tennisspielerin, das wäre nicht auszuhalten gewesen", meint er süffisant. Köster
berät auch Theloke und weiß, wie schwer es sein kann, einen Sportler interessant zu
machen. "Wenn der Theo durch Chemnitz läuft, ist er ein Held, aber in Deutschland
kennt ihn kaum einer." Dennoch seien Regionalstolz und Engagement lokaler Unternehmen
ungeheuer wertvoll -.als Einstieg für mehr: "So erreicht man Aufmerksamkeit."
Köster will seine Sportler nicht verbiegen und hält auch nichts von Interview-Schulung.
"Es ist wichtiger, locker und natürlich zu wirken." Doch er fordert, bestimmte
Verhaltensmuster einzuhalten. "Es genügt nicht, ein Typ zu sein. Man muß auch die
Wünsche der Wirtschaft kennen und auf sie eingehen." Letzteres versucht Jürgen
Greve beim Deutschen Schwimm-Verband (DSV) durchzusetzen. Mit seiner Agentur SMS
vermarktet er seit anderthalb Jahren den DSV. Große Erfolge sind bisher ausgeblieben:
"An internationale Unternehmen kommen wir derzeit nicht ran, vielleicht aber in zwei
Jahren." Bevor man an die Industrie herantrete, müsse der Ruf des Verbandes und
seiner Führung in Ordnung gebracht werden. "Als ich anfing, waren die stolz darauf,
daß sie nur 30 000 Mark Jahresetat für die Öffentlichkeitsarbeit hatten und davon 11
000 einsparen konnten." Es war nicht einmal möglich, die Finalzeiten bei
Titelkämpfen den Bedürfnissen der TV-Sender anzupassen, weil der Biorhythmus der
Sportler Priorität hatte... Mittlerweile hat der Verband seine Medienarbeit verbessert,
ist auch im Internet vertreten. Greve will unbedingt schlechte Nachrichten über den DSV
vermeiden: "Die verbreiten sich elfmal schneller als gute." Image-Katastrophen
wie bei der letzten WM in Perth, als die Mannschaft wutentbrannt das ungeeignete Hotel
wechselte, sollen sich nicht wiederholen. Die Vorbereitung der EM in Istanbul hat Greve
deshalb mit seiner Agentur selbst in die Hand genommen -.bis hin zu Koch und Speiseplan.
"Das wird alles perfekt laufen." Noch gar nicht läuft die Vermarktung der
Leipziger Schwimmer. Daß Stefan Herbst bei einer Versicherung ausgebildet wird, ist fast
das einzige Zubrot zur Sporthilfe. "Wir bauen auf Mitgliedsbeiträge, Fördergelder
und die Unterstützung der Eltern", sagt Vater Jochen Herbst, Vorsitzender des SSV
Leutzsch, "außerdem müssen unsere Sportler erst mal Leistung bringen und sich für
Großereignisse qualifizieren." Doch Herbst gibt auch zu, daß Ehrenamtlichen wie ihm
Zeit und Know how zur Sponsorensuche fehlen. Was mit Hartnäckigkeit möglich ist, bewies
Rainer Dartsch bei der Vorbereitung der Meisterschaft. Der Landestrainer Wasserball mit
Wirtschafts-Kenntnissen ging vor sechs Monaten auf die Suche nach Geldgebern, putzte
Klinken und wurde belohnt, obwohl die Firmen ihren Werbeetat für 1999 eigentlich schon
verplant hatten: "Wir haben doppelt soviel eingenommen wie erwartet." Allerdings
konnte Dartsch den Firmen auch etwas bieten, wovon die Leipziger Schwimmer sonst nur
träumen: tägliche Live-Übertragungen bei ARDund ZDF. EB Sächsischer Schwimm-Verband e.V., Marschnerstraße 29, 04109 Leipzig |