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Die Sensation kommt von der Post
Leipziger Sven Guske schnellster Sprinter, auch Sebastian Halgasch überraschend Meister / Dreimal Bronze
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Leipzig. Er ist kein Meisterschaftsneuling, doch die Zeremonie nach dem Zielanschlag schien ihm irgendwie unbekannt. Der Deutsche Meister geht normalerweise gleich nach Verlassen des Beckens pitschnaß fürs erste Siegerinterview zum Fernsehen. Doch Sensationsmeister Sven Guske vom Post SVLeipzig machte wie immer kehrt und wollte sich erst einmal um seine Sachen kümmern, die 50 Meter entfernt im Körbchen lagen. Als der Auftaktsieger der Leipziger Titelkämpfe dann jedoch vor den Mikrofonen stand, sprudelte es nur so aus dem 25jährigen heraus - als hätte er jahrelang auf diesen Moment gewartet, endlich auch einmal im Mittelpunkt zu stehen. Der Medien-Neuling wurde von den Fernseh-Reportern gelobt ("Du redest ja wie ein Wasserfall") und konterte: "Ich bin ja auch Versicherungsverteter." Guske sorgte jedenfalls über 50 m Freistil für den erhofften goldenen Auftakt der Messestädter. In einem wie erwartet knappen Rennen fehlte demLeutzscher Kai Hanschmann als Drittem nur eine Hundertstel, um den möglichen Doppelsieg perfekt zu machen. Danach lief alles wie am Schnürchen, die Leutzscher Sebastian Halgasch (Gold über 200 m Rücken), Sabine Klenz (Bronze über 400 m Lagen) sowie René Kolonko (Bronze über 100 m Brust) ließen reichlich Edelmetall folgen. Am "Tag der Sachsen" beteiligten sich auch die Ex-Leipziger Jens Kruppa als Sieger über 100 m Brust und Katrin Jäke (beide Riesa) als Zweite über 400 m Lagen. Einen Wermutstropfen gab es auch: Als einziger der Leipziger Finalisten blieb 200-m-Rücken-Vorlaufsieger Jirka Letzin vom SCDHfK medaillenlos. So richtig freuen konnte sich auch René Kolonko über Bronze nicht, "weil ich etwas langsamer war als im Vorjahr". Auf den Heimvorteil wollte es Sven Guske nicht schieben, daß er um winzige zwei Hundertstel die Hand als Erster an der Anschlagmatte hatte. "Vielleicht waren die anderen einfach nur schlecht", sagte er so ganz nebenbei. Doch da sind noch andere Aspekte. "Der Sport kommt bei mir derzeit erst an Nummer drei hinter Freundin und Beruf", sagt der Vertreter einer Krankenversicherung, der im April eine Ausbildung begonnen hat. "Beruflich läuft es gut, damit ist der Kopf frei", so der aus Pirna stammende Guske, dem zuletzt immer dann die Nerven einen Streich spielten, wenn der Sport in seiner persönlichen Rangfolge oberste Priorität hatte. Gestern ließ er sich auch von einer schmerzhaften Zerrung der Nackenmuskulatur nicht aus dem Konzept bringen - eine über mittag gesetzte Spritze half. "Es entscheidet sich alles im Kopf", hatte auch Stefan Herbst im Vorfeld gemeint. Der WM-Vierte selbst war für die 50 m Freistil mental nicht fit genug und schied im Vorlauf aus. Sein Vereinskollege Sebastian Halgasch bestätigte die Richtigkeit der Aussage im positiven Sinne. "Der Wille versetzt Berge", lautete "Hallis" Begründung, warum es entgegen aller Prognosen im 200-m-Rücken-Finale plötzlich lief. Und zwar so gut, daß er denVizeweltmeister RalfBraun aus Berlin besiegte und seine eigene Prognosezeit von etwa 2:03 min um zwei Sekunden unterbot. Dabei hatte sich der im Herbst von Dresden nach Leipzig zu Trainerin Eva Herbst gewechselte mehrfache Junioren-Europameister im Vorfeld ein wenig entschuldigt, falls die Saison daneben gegangen wäre. Denn im Herbst hatte ihn die Bundeswehr-Grundausbildung wenig Training, dafür ein paar Kilo Übergewicht beschert. Seit Januar kränkelte der 18jährige dann sehr häufig, "weil ich mehr trainiere als früher, mein Körper sich daran jedoch noch nicht gewöhnt hat". Trotz der sieben Medaillen müssen die Sachsen noch zulegen: Bis auf Jens Kruppa schaffte keiner von ihnen die EM-Norm, Sebastian Halgasch verfehlte sie um eine winzige Hundertstel. Doch dies trübte den Goldglanz kaum.
EB

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