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Heimvorteil soll Leipziger beflügeln
Gastgeber haben viele Europameisterschafts-Kandidaten, jedoch keine sichere Bank
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Leipzig. Fast in jeder Disziplin ein Endlaufkandidat - so stark wie vor den ab morgen in eigener Halle stattfindenden 111. Deutschen Meisterschaften waren die Reihen der Leipziger Schwimmer in den 90er Jahren noch nie besetzt. "Wenn alles optimal läuft, könnten sieben oder acht Leipziger die EM-Qualifikation für Istanbul schaffen", rechnet der Leutzscher Stefan Herbst vor. Dennoch weiß der 21jährige, der 1998 bei der WM inPerth und den Goodwill Games in New York zur DSV-Auswahl gehörte, daß dieser Fall nicht eintreten wird. Zumal die Konkurrenz stark ist, die meisten Rennen so offen sind wie lange nicht und die Leipziger keine sichere Bank in ihren Reihen wissen. Stefan Herbst selbst könnte morgen ab 9 Uhr gemeinsam mit seinem Vereinskameraden Kai Hanschmann und dem Vorjahresfinalisten Sven Guske (Post SV) für einen gelungenen Auftakt der Gastgeber sorgen. Doch ausgerechnet der 50-m-Freistilsprint ist die erste DM-Disziplin. "Da weiß man schon nach zehn Metern, ob's was wird oder nicht. Wenn der Start mißlingt, kann das Finale dahin sein. Drei Zehntel liegen zwischen Platz drei und neun", so Herbst, der klar sagt: "Wir wollen zu Hause etwas zeigen. Vor allem, daß wir zu Recht so viele Bahnen in der Uni-Schwimmhalle blockieren." Der erste Meisterschaftstag ist nicht nur für die Leipziger Freistilsprinter wegweisend. Morgen zeigt sich, ob das ehrgeizige Comeback von Sabine Klenz schon knapp zehn Monate nach der Geburt vonSohn Ramon von Erfolg gekrönt ist, ob die Rückenschwimmer Jirka Letzin undSebastian Halgasch den WM-Medaillengewinnern Stev Theloke und Ralf Braun Paroli bieten können, ob Brustspezialist René Kolonko seiner sensationellen Bronzemedaille des Vorjahrs ein weiteres Husarenstück folgen läßt und ob Freistilsprinterin Sindy Buckmann gegen die diesmal vollzählige DSV-Elite wieder ins Finale einzieht. Auf den ersten Blick erscheint Jirka Letzin als aussichtsreichster EM-Anwärter. Tatsächlich hat der 28jährige fünf heiße Eisen im Feuer - drei Rücken- und zwei Lagenstrecken. "Jirka ist nur einer von vielen, die es schaffen können", erklärt Bundesstützpunkttrainer Oliver Trieb. Schließlich werden die Rückendisziplinen mit mehr als einer Handvoll Favoriten fast zum Lotteriespiel. Dagegen ist der Kreis der EM-Bewerber auf den Lagenstrecken übersichtlicher. Jirka Letzin hofft, bis zum Sonnabend das EM-Ticket unter Dach undFach zu haben. "Ansonsten muß ich es eben am Sonntag über 400 m Lagen noch irgendwie lösen", so der beste DHfK-Schwimmer, der sich erst in den letzten Monaten verstärkt dieser harten Disziplin gewidmet hat. Mit konkreten Zielen halten sich die Verantwortlichen bedeckt. Allein, daß die Junioren-Europameister Sindy Buckmann und René Kolonko vom SSVLeutzsch erneut zur Junioren-EM wollen, spricht Oliver Trieb klar aus. Die zwei Medaillen des Vorjahrs (Letzin, Kolonko) dürften auf jeden Fall zu überbieten sein, auch wenn der Kurzbahn-Vizemeister Peter Lehmann (SCDHfK) wegen einer Rückenverletzung fehlt. Die Leutzscher Herren haben sich diesmal auch für die beiden 4x100-m-Staffeln einiges vorgenommen. Stefan Herbst denkt, daß eine starke EM-Leistung vielleicht einen Hilfspunkt bei der Olympia-Nominierung 2000 bringen könnte. "Ansonsten sieht man an meiner Schwester, daß die EM-Teilnahme noch nichts über die Olympia-Chancen aussagt", meint er. Sabine Klenz-Herbst schaffte '95 die EM nicht und war '96 in Atlanta als Vierte obenauf. "Nach Mißerfolgen", so Stefan Herbst, "trainiert man oft viel besser". Da mag etwas dran sein. Am besten ist es aber, die Leipziger Schwimmer schöpfen aus Erfolgen ihre Motivation fürs Olympiajahr.
Frank Schober

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