| Franziska badete
am Finale vorbei Nur Vorlauf-Neunte über 200 m Freistil nach peinlichem Auftritt |
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Von Torsten
Wendlandt Das Unvorstellbare ist doch passiert. Franziska van Almsick (21), deutscher Schwimmstar Nummer eins, ist wieder einmal an sich selbst gescheitert und im sächsischen Chlorwasser untergegangen. Warum? Wie kann man nur? Was soll das? Die Stimmung der Beobachter der Deutschen Meisterschaften von Leipzig schwankte zwischen Gelächter und tiefer Ratlosigkeit, als die Berlinerin gestern vormittag ihr drittes sportliches Desaster produziert hatte. Auf ihrer Lieblingsstrecke 200 m Freistil badete sich die Vorzeigekraulerin als Vorlauf-Neunte in indiskutablen 2:04,75 Minuten aus dem Finale und verpaßte damit auf peinlichste Weise das Ticket für die EM Ende Juli in Istanbul. Die naßforsche «Franzi», die zuvor immer wieder ihre Erkältung herausstrich, drosselte in ihrem Vorlauf bei 150 m plötzlich das Tempo, wechselte von der 44er auf eine 36er Armfrequenz und schlug nur als Dritte hinter Hannah Stockbauer (Erlangen) und Antje Buschschulte (Magdeburg) an. Zunächst wie paralisiert am Beckenrand hockend, rannte sie voller Frust aus der Halle («Laßt mich in Ruhe»), verschwand mit dem Vater per Auto im Nirgendwo, nachdem sie die anreisende Mutter per Handy zunächst heimschicken wollte. «Ihre eigene Dummheit. So eine Zeit darf man nicht anbieten», fand Ex-Schwimmer Steffen Zesner als erster deutliche Worte für die Freundin. «Sie hat gedacht, es reicht. Aller schlechten Dinge sind leider drei.» Aus Schaden ist «FvA» offenbar nicht klug geworden. Bei der Weltmeisterschaft 1994 kam sie als ebenfalls Vorlauf-Neunte nur ins Finale, weil Dagmar Hase ihren Platz räumte - und schwamm dann zu Gold mit Weltrekord. Ein Jahr später bei der Europameisterschaft in Wien passierte Gleiches - und van Almsick kraulte im B-Lauf Jahresweltbestzeit. Nun also GAU Nummer drei. EM, WM - vielleicht okay, aber bei einer Deutschen Meisterschaft? «Das ist der bisher unerklärbarste Fall», zuckt Manager Werner Köster mit den Schultern. War es der selbst auferlegte Druck, war es etwa die fehlende Kraft? «Bei der DM gibt's keinen Druck. Und 1:59 Minuten hat sie drin. Eigentlich ist sie entspannter und reifer geworden. Und jetzt das», wundert sich nicht nur Zesner. Extratouren wird es allerdings im Verband auch für dessen Zugnummer (und gestern Lachnummer) nicht geben. «Wer sich nicht qualifiziert, ist eben draußen», stellt DSV-Präsident Rüdiger Tretow klar. Allerdings könnte es für die Istanbul-Staffel ein Ausschwimmen geben. Und wenn sich Franziska van Almsick da durchsetzt, ist Ärger im Team programmiert. Der sächsische Skandal, der längst kein Ausrutscher mehr ist, macht ihr ehrgeiziges Ziel («Ich will wieder so schnell sein wie früher») wenig glaubhaft. Und Sympathien dürfte sie ohnehin kaum gewonnen haben. «Sie macht weiter mit Blick auf Sydney 2000. Der Weg dorthin wird jetzt natürlich viel härter. Aber sie kommt wieder ran», beteuert Zesner. Eigentlich ebenso unvorstellbar. Sächsischer Schwimm-Verband e.V., Marschnerstraße 29, 04109 Leipzig |